banner.png
  • Apothekerin Katrin Binder e.K.
  • Vogesenstr. 13
  • 68229 Mannheim

Blasenentzündung: Wie Sie vorbeugen

Vor allem Frauen leiden häufig unter einem Harnwegsinfekt. Wie Sie mit der richtigen Hygiene und Hautpflege entgegenwirken – und wann Antibiotika helfen
von Ute Essig, aktualisiert am 02.06.2017

Natürlich: Spezielle Kräutertees können eine beginnende Blasenentzündung lindern

Your Photo Today/Phanie

Sind knappe Unterhosen schuld an einer gereizten Blase? Das legt zumindest die Pressemitteilung eines Ärztenetzwerks in Nordrhein-Westfalen nahe, wonach String-Tangas das Risiko für einen Harnwegsinfekt erhöhen. "Anders als normale Slips haben sie Kontakt zum After", zitiert die Mitteilung einen Urologen aus dem Netzwerk. "Dadurch haften an ihnen vermehrt Keime, die so leichter in Richtung Scheide gelangen." Von dort kommen sie über die Harnröhe in die Blase, wo sie einen Infekt auslösen können.

"Ein gut sitzender String-Tanga ist kein Problem, eine schlecht sitzende Unterhose jedoch immer", meint dagegen Dr. Dorothee Struck, Frauenärztin und Ärztin für Naturheilverfahren aus Kiel. "Scheuert der Slip, reizt er die Haut", erklärt sie. Dies begünstigt wiederum, dass sich Bakterien in der empfindlichen Haut der Intimzone einnis­ten und von dort ihren Weg in die Blase finden. Die Ärztin empfiehlt deshalb infekt­an­fälligen Patientinnen, auf gut geschnittene Unterwäsche zu achten. "Wichtig ist auch, dass sie Baumwolle enthält oder zumindest einen Baumwollzwickel hat." Wäsche aus ­­Polyester ist nicht sehr atmungsaktiv, sodass sich im Intimbereich vorhandene Keime leicht vermehren können.

Häufige Ursache eines Harnwegsinfekts: Falsche Toilettenhygiene

Körpereigene Darmbakterien wie Escherichia coli und manchmal auch Enterokokken verursachen die meisten Harnwegsinfekte. Die Keime gelangen oft durch falsche Toilettenhygiene vom After aus in Richtung Scheide. "Deshalb ist es sehr wichtig, immer von ­vorne nach hinten zu wischen", betont Frauenärztin Dorothee Struck.

Häufiges Waschen mit normalem Duschgel und konservierungsmittelhaltige Rasierschäume trocknen die ­Intimzone aus. "Die Hautschüppchen stellen sich dann auf. Darunter finden Pilzsporen und Bakterien ein nettes Zuhause", sagt die Medizinerin. Sie rät deshalb, zur täglichen Reinigung nur Wasser zu benutzen und die Intimzone nicht mithilfe hautreizender Kosmetikprodukte zu rasieren. "Zur Haarentfernung eignet sich das Waxing oder Sugaring besser als die Rasur", sagt die Gynäkologin. Wer dennoch lieber rasiert, dem empfiehlt die Ärztin, Rasierspray auf Jojobaöl-Basis zu verwenden. "Da dieses Öl nicht ranzig wird, enthält es keine hautschädlichen Konservierungsstoffe."

Hormonelle Einflüsse können Blasenentzündung begünstigen

Durch die Einnahme der Pille und nach den Wechseljahren kann sich die Vaginalflora ebenfalls verändern. Millionen von Milchsäurebakterien (Laktobazillen) brauchen das Hormon Östrogen für ­eine stabile Flora. Ist zu wenig davon vorhanden, nehmen krank machen­de Keime überhand. Örtlich ­­anwendbare Salbenpräparate mit Estriol stabilisieren die Milchsäurebakterien-Flora und bringen sie wieder ins Gleichgewicht. "Sie stärken, ebenso wie die angepasste Hygiene und Fettpflege der Haut, die lokale Abwehr", sagt Struck.

Kann man Harnwegsinfekten mit Heilpflanzen vorbeugen? Der Nutzen von Cranberrys gilt laut einer Bewertung der Cochrane Collaboration als wissenschaftlich umstritten. "Die Datenlage ist in der Tat widersprüchlich", bestätigt die Urologin Dr. Elke Heßdörfer aus Berlin. Die Anfälligkeit für Blasenentzündungen wird durch einfache Maßnahmen meist weit besser beeinflusst: Füße und Unterleib warm halten, ausreichend trinken und nach dem Geschlechtsverkehr Wasser lassen, um Keime auszuspülen. Kräuter­tees oder Präparate etwa mit Gold­rute, Hauhechel, Birken- oder Orthosiphonblättern wirken leicht harn­treibend und regen das Durchspülen der Blase an.

Kapuzinerkresse und Meerrettich können helfen

Und wenn es einen richtig erwischt hat? Was tun bei Schmerzen, häufigem Harndrang und Ziehen im Unterleib? Bei einer Erstinfektion sollten Sie zum Arzt. Für betroffene Männer und Kinder gilt das in jedem Fall. Frauen, die ansonsten gesund und nicht schwanger sind, müssen bei unkomplizierten wiederkehren­den Harnwegsinfekten nicht zwangsläufig ein chemisches Antibiotikum einnehmen. Eine pflanzliche Alternative sind Senföl-Glykoside aus Kapuzinerkresse und Meerrettich. Sie wirken harnwegsdesinfizierend und verringern die Keimzahl in der Blase.

Ärztin Struck hat auch positive Erfahrungen mit Präparaten gemacht, die entzündungshemmende und abschwellende Substanzen aus Liebstöckel, Tausendgüldenkraut und Rosmarin kombinieren. Sie bieten sich auch zur Langzeittherapie an. Daneben haben Bärentraubenblätter nicht nur eine durchspülende, sondern auch keimtötende Wirkung und können bei den ersten Anzeichen einer Blasenentzündung durchaus sinnvoll sein. Sie eignen sich jedoch nicht für die Dauerbehandlung.

Wann Antibiotika nötig werden

"Auch Schmerzmittel wie Ibuprofen können helfen", sagt Urologin Heßdörfer. Lassen die Beschwerden binnen drei Tagen nicht nach oder verschlimmern sich, sei eine antibiotische Therapie aber unumgänglich.

Die ärztlichen Leitlinien empfehlen Fosfomycin und Nitrofurantoin – das sind harnwegsspezifische Anti­biotika mit geringer Resistenzrate, die die Darmflora nicht schädigen. Nitrofurantoin kann für eine begrenzte Zeit auch vorbeugend zur Nacht oder nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden.

"Breitbandantibiotika wie etwa Cotrimoxazol oder Ciproflo­xacin haben durch den häufigen ­Einsatz Resis­tenzraten von mehr als 20 Prozent erreicht und eignen sich nicht mehr für eine Therapie", warnt Elke Heßdörfer. Der nächs­te Infekt ist mit dem Einsatz dieser Mittel programmiert.

Pilzinfektion nach Antibiotikaeinnahme möglich

Weil die Breitbandantibiotika auch gesunde Bakterien in der Scheide abtöten, kämpfen viele Frauen mit läs­tigen Pilzinfektio­nen. Eine mikro­biologische Therapie mit Probiotika kann solchen Folgebeschwerden vorbeugen. Auch Präparate mit Milchsäurebakterien, die parallel zur Einnahme von Antibiotika vaginal angewendet werden, wirken dem Verlust nützlicher Keime entgegen.

Hilft das alles langfristig wenig und jagt ein Infekt den nächsten, rückt der Sexualpartner der Frau ins ärztliche Blickfeld. Selbstverständlich sollte er eine gute Intimhygiene betreiben, da beim Sex Keime übertragen werden. "Bei hartnäckigen und immer wiederkehrenden Infekten empfehle ich eine ärztliche Untersuchung", sagt Struck. Denn meist spielen weniger Hygienemängel als nicht diagnostizierte Erkrankungen eine Rolle. Eine chronische Prostatitis etwa kann Harnwegsinfekte der Frau mitbedingen.

Zum Weiterlesen:

Junge Frau mit Wärmflasche bei Blasenentzündung auf dem Sofa

Krankheits-Ratgeber Blasenentzündung »

Manchmal genügen bei einer akuten Zystitis Hausmittel zur Therapie, in anderen Fällen müssen es Antibiotika sein »



Bildnachweis: Your Photo Today/Phanie, W&B/Martin Ley

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Frau mit Wärmflasche im Bett trinkt Tee

Blasenentzündung erkennen und richtig behandeln

Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen – viele Frauen kennen diese Symptome einer Blasenentzündung. Manchmal genügen bei einer akuten Zystitis Hausmittel zur Therapie, in anderen Fällen müssen es Antibiotika sein »

Haben Sie Schlafprobleme?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages