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E-Zigaretten: Nur Nichtrauchen ist völlig sicher

Elektrische Zigaretten sind deutlich weniger schädlich als Tabakprodukte. Ganz harmlos sind sie aber nicht. Dampfer inhalieren Nikotin und Frostschutzmittel, die Folgen sind noch unklar
von Dr. Achim G. Schneider, 12.08.2015

Das Dampfen von E-Zigaretten liegt im Trend, birgt aber Gesundheitsrisiken

Thinkstock / istock

Elektrische Zigaretten können Gesundheitsschäden bei Rauchern verhindern. Das ist die gute Nachricht, wie die Experten Professor Robert West und Dr. Jamie Brown vom University College London (Großbritannien) das Potenzial dieser neuen Produkte einschätzen. 6000 vorzeitige Tode durch Tabakgifte ließen sich vermeiden, wenn eine Million Raucher vom Glimmstängel auf die elektrische Alternative überwechselten, errechneten die beiden Wissenschaftler kürzlich.

E-Zigaretten, so die Kurzbezeichnung, enthalten keinen Tabak, den Hauptverursacher für Schäden, die sich aus dem Rauchen ergeben. Wenn Tabak verbrennt, werden Hunderte von Substanzen freigesetzt, die das Entstehen von Lungen-, Gefäß- und vielen weiteren Erkrankungen begüns­­tigen. Bei E-Zigaretten hingegen verdampft eine nikotinhaltige Flüssigkeit mithilfe von Strom, der Hitze erzeugt. Es entsteht ein Nebel, der viel weniger Giftstoffe enthält als der Rauch von echten Zigaretten. Letztere sind rund 25 Mal so schädlich wie nikotinhaltige elektrische Produkte, ermittelten Forscher des Imperial College London.

Erhöhtes Thromboserisiko

Doch das bedeutet im Umkehrschluss: E-Zigaretten sind nicht harmlos. Abgesehen davon, dass mit dem Ein­atmen des Nikotins die Abhängigkeit von dem Suchtstoff erhalten bleibt, erhöht dieser etwa die Herzfrequenz, den Blutdruck und das Thrombose-Risiko.

Aber auch die nikotinfreien Produkte bergen Gesundheitsrisiken. So besteht die Flüssigkeit, die in E-Zigaretten verdampft, zum größten Teil aus Propylenglykol, der Trägersubstanz für den Nebel. Sie steckt zwar auch in Frostschutzprodukten und Lebensmitteln, und die Behörden stufen Propylenglykol als allgemein sicher ein, wenn es geschluckt wird. "Doch die Menschheit ungeprüft Frostschutzmittel einatmen zu lassen halte ich für keine gute Idee", sagt Professor Dennis Nowak, der das Institut und die Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin an der Universität München leitet.

Nowak ist Mitautor eines aktuellen Positionspapiers, das zehn medizinische Fachgesellschaften erarbeitet haben. Sie fordern darin etwa Studien, die untersuchen, welche Folgen das Dampfen langfris­tig auf die Gesundheit hat. Weiterhin kritisieren die Wissenschaftler, dass E-Zigaretten und ihr Zubehör frei verkäuflich sind.

Abgabe an Minderjährige soll verboten werden

Doch damit ist es bald vorbei. Wie die Bundesregierung im April ankündigte, soll die Abgabe von E-Produk­ten an Minderjährige verboten werden. Das betrifft auch nikotinfreie Dampf-Flüssigkeiten. Nowak hält ein solches Verbot allein schon deshalb für wichtig, weil es den Einstieg ins Rauchen erschwert. "Es wäre nicht gut, wenn ein 15-Jähriger etwa mit Himbeeraroma anfängt, dann auf niko­tin­haltige E-Zigaretten umsteigt und schließlich zu Tabakprodukten greift."

Viele Gesundheitsexperten befürch­ten, dass mit der wachsenden Beliebtheit von E-Produkten auch das Rauchen von Tabak unter Jugendlichen wieder populärer wird. Der Anteil der Raucher unter den Minderjährigen sank in den vergangenen Jahren stetig und beträgt aktuell zwölf Prozent. Ein Erfolg, den die weitere Verbreitung von elektrischen Produkten zunichtemachen könnte.

Helfen E-Zigaretten, mit dem Rauchen aufzuhören?

Forscher der gemeinnützigen Cochrane Gesellschaft haben die wenigen dazu vorliegenden Studien ausgewertet und ihre Analyse im vergangenen Dezember veröffentlicht. Fazit: Es gibt Belege dafür, dass nikotinhaltige E-Zigaretten tatsächlich zum Rauch-Stopp beitragen können, doch die Beweislage ist dürftig.

Auf der anderen Seite stehen die erwiesenen Erfolge von Entwöhnungs­­programmen, in denen Raucher über einen längeren Zeitraum hinweg professionell begleitet werden. Rund jedem dritten Teilnehmer gelingt es, damit seine Nikotinsucht zu überwinden. Allerdings sind professionelle Programme auch kein Allheilmittel. Und nur ein kleiner Teil der rund 20 Millionen Raucher in Deutschland nutzt eines der vielen Angebote.

Nowak will Rauchern, die im ersten Schritt auf die weniger gefährlichen E-Zigaretten umsteigen wollen, nicht unbedingt davon abraten. "Doch allgemein empfehlen kann man das nicht. Denn es ist ungeklärt, wie gut der Umstieg klappt und ob Menschen dann auch dauerhaft von E-Zigaretten wegkommen." Ob sie also wirklich einen positiven Beitrag zur allgemeinen Gesundheit leisten können, wird sich erst in einigen Jahren zeigen.

Wichtige Informationen zur E-Zigarette

  • Es fällt keine Tabaksteuer an.
  • Es gibt kein gesetzliches Verbot, E-Zigaretten in Gaststätten und ­öffentlichen Räumen zu dampfen.
  • E-Produkte sind frei verkäuflich in Geschäften und im Internet. Das gilt auch für Dampf-Flüssigkeiten, sofern sie höchstens 20 Milligramm Nikotin pro Milliliter enthalten.
  • Die Bundesregierung will per Gesetz verbieten, E-Produkte an Minderjährige zu verkaufen. Das gilt auch für Flüssigkeiten, ­unabhängig davon, ob sie Nikotin enthalten oder nur Aromastoffe.
  • Ab Mai 2016 gelten die gleichen Werbeverbote wie für Tabakwaren. Die Hersteller dürfen E-Produkte dann nur noch am ­Verkaufsort, auf Plakaten und nach 18 Uhr im Kino anpreisen.


Bildnachweis: Thinkstock / istock

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