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Was der Nichtraucherschutz bewirkt hat

Rauchverbote in Restaurants schützen: Einige akute Krankheiten sind zurückgegangen. Forscher erwarten auch langfristige positive Effekte auf die Gesundheit
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 31.05.2016

Die meisten Menschen finden die Nichtraucherschutzgesetze inzwischen gut

dpa Picture-Alliance/Armin Wei

Die Bundesregierung will ab dem Jahr 2020 verbieten, dass auf Plakaten für Zigaretten geworben wird. Und auch vor Kinofilmen, die für Menschen unter 18 Jahren freigegeben sind, soll keine Tabakwerbung mehr gezeigt werden. Der Deutsche Zigarettenverband DZV protestiert und hält diese Einschränkungen für verfassungswidrig. In den meisten Ländern der EU sind aber Plakate mit Zigarettenwerbung bereits verboten.

Bisherige Verordnungen zum Rauchen haben bereits einiges erreicht: 2007 bis 2010 schränkte die Gesetzgebung von Bund und Ländern das Rauchen in öffentlichen Räumen stark ein. Das sollte vor allem die Angestellten in Lokalen und Kneipen vor dem Passivrauchen schützen. Tatsächlich bessert sich internationaler Erfahrung zufolge der Gesundheitszustand von Gastronomiemitarbeitern nach der Einführung von Rauchverboten. Die deutschen Nichtraucherschutzgesetze werden inzwischen allgemein akzeptiert.

Schädliches Passivrauchen

Passivrauchen schadet der Gesundheit. Auch zwischen den Zügen gibt eine Zigarette viele Schadstoffe in die umgebende Luft ab. Weil sie dabei mit einer niedrigeren Temperatur glimmt, entstehen manche gefährliche Substanzen sogar in höheren Konzentrationen. Sie führen zu einer giftigen Atmosphäre, wenn das Rauchen in geschlossenen Räumen stattfindet. Auch der Raucher selbst bekommt dadurch deutlich mehr Schadstoffe ab.

Typische Inhaltsstoffe von Passivrauch

  • Krebserregende Substanzen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, N-Nitrosamine, aromatische Amine, Benzol, Vinylchlorid, Arsen, Cadmium, Chrom sowie das radioaktive Isotop Polonium 210
  • Weitere Giftstoffe wie Blausäure, Acetonitril, Ammoniak und Kohlenmonoxid

Allgemeine gesundheitliche Vorteile

Internationalen Studien zufolge besserten sich bei den Angestellten von Gastronomiebetrieben nach der Einführung von Rauchverboten einige Beschwerden sehr schnell: Entzündete, gerötete Augen wurden schon nach wenigen Monaten wesentlich seltener, Probleme mit Atemwegserkrankungen gingen zurück, und die Lungenfunktion erholte sich.

Ähnliche Ergebnisse lieferte eine Studie aus Nordirland von 2009. Die Angestellten der dortigen Bars litten bereits zwei Monate nach dem Einführen des Rauchverbots deutlich weniger unter Kurzatmigkeit und Husten. Bei den beschäftigten Nichtrauchern nahm die Anzahl von Symptomen wie pfeifenden Atemgeräuschen und kratzendem Hals sogar auf ein Viertel ab. Aber auch bei den in den Bars angestellten Rauchern gingen die Beschwerden zurück.

Weniger Neuerkrankungen

Durch die Rauchverbote verbesserte sich der Gesundheitszustand der Bevölkerung, und gleichzeitig wurde das Gesundheitssystem finanziell entlastet. Das zeigt eine Studie der DAK aus dem Jahr 2012, die Daten von 3,7 Millionen Versicherten analysierte. In dieser Gruppe nahm bereits ein Jahr nach Inkrafttreten der Nichtraucherschutzgesetze die Zahl neu aufgetretener Herzinfarkte um 8,6 Prozent ab. 1880 Krankenhausbehandlungen konnten eingespart und Kosten von 7,7 Millionen Euro direkte Behandlungskosten vermieden werden. Auch die Zahl der Krankenhausbehandlungen wegen einer Erkrankung der Herzkranzgefäße ging um 13 Prozent zurück.

Ebenso zeigen Studien aus Spanien und der Schweiz, dass nach den Rauchverboten weniger Menschen ins Krankenhaus kamen wegen einer obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), die umgangssprachlich als Raucherhusten bezeichnet wird. Ob durch die Nichtraucherschutzgesetze langfristig auch weniger Krebserkrankungen auftreten, werden die nächsten Jahre zeigen.

Verlagerung ins Private geringer als befürchtet

Manche Kritiker hatten Angst, dass durch die Verbote Raucher ihre Zigaretten vermehrt zu Hause anzünden, was Familienmitglieder stärker belasten könnte. "Erfreulicherweise ist aber der Zigarettenkonsum in der eigenen Wohnung zurückgegangen", berichtet Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Weder international noch in Deutschland hätten Restriktionen des Rauchens zu einer Verlagerung in das familiäre Umfeld geführt. Und einige Raucher nahmen die Verbote zum Anlass, ganz mit den Glimmstängeln aufzuhören.

Laut Dr. Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) kann die Signalwirkung der Verbote sogar einige Jugendliche davon abhalten, das Rauchen anzufangen, weil es sozial weniger akzeptiert wird.

Ungeborene entwickeln sich besser

Wie Untersuchungen aus Irland zeigen, helfen Raucherschutz-Verordnungen auch Schwangeren. Dort kommen seitdem weniger zu kleine Kinder zur Welt. Wenn die werdende Mutter keine verrauchte Luft mehr atmet, tut das auch der Entwicklung des ungeborenen Kindes gut.

Rauchverbote von der Mehrheit akzeptiert

Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung vom Februar 2014 sehen in Deutschland inzwischen 81 Prozent der Bevölkerung die Nichtraucherschutzgesetze positiv. Bei den Rauchern sind es immerhin 57 Prozent.

Auf langen Autofahrten besser Rauchpausen einlegen, statt im Auto zu qualmen

Plainpicture/René Reichelt

Dr. Martina Pötschke-Langer vom DKFZ plädiert dafür, diese positive Einstellung der Bevölkerung zu nutzen, um weiterhin vorhandene Lücken im Nichtraucherschutz zu beheben: Die Nichtraucherschutzgesetze sollten in allen Bundesländern auf das Niveau der Bundesländer Saarland, Bayern und Nordrhein-Westfalen angehoben werden. Am Arbeitsplatz sollte es einen flächendeckenden Schutz vor Passivrauchen geben. Auch das Rauchen in Privatautos sollte verboten werden, wenn Kinder und Jugendliche mitfahren.

So nehmen Raucher Rücksicht

Eine rauchfreie Welt bleibt wohl trotz aller Verordnungen eine Wunschvorstellung. Denn nicht jeder kann oder will den Zigaretten abschwören. Rauchern, die ihren Mitmenschen trotzdem möglichst wenig schaden möchten, geben die Expertinnen folgende Tipps:




Bildnachweis: dpa Picture-Alliance/Armin Wei, F1online digitale Bildagentur GmbH/Blend Images und Fotolia, Plainpicture/René Reichelt

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